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Eine Welt der selbstorganisierten Neugierde schaffen – Aufruf zur Mitarbeit an radikalen Bildungskursen

Wir als Schwarze Ruhr-Uni arbeiten jetzt seit 2014 daran, anarchistische Inhalte an der Uni präsent zu machen und anarchistische Analysen zur Universität zu formulieren. Dabei gab es immer wieder Kritik daran, dass wir kaum Alterantiven aufbauen. Dies ist teilweise berechtigt, deshalb wollen wir gemeinsam mit anderen interessierten Menschen im kommenden Semester selbstorganisierte Bildungskurse anbieten. Um ein solches Angebot zu schaffen, rufen wir möglichst viele Menschen zur Beteiligung auf. Bei Interesse meldet euch bitte bis zum 10. April per Mail bei uns: schwarze-ruhr-uni(at)riseup.net (PGP-Sclüssel auf Anfrage). Hier ein paar Hintergründe zu unserer Idee und Überlegungen wie das Ganze aussehen kann:

Mehr als nur Vorträge – Für mehr Bildung in der anarchistischen/antiautoritären Bewegung

Die meiste gemeinschaftliche Bildung innerhalb anarchistischer und antiautoritärer Bewegung geschieht durch Vorträge und kurze Workshops, die meist nur über einige Stunden hinweg stattfinden. Einzig Lesekreise bilden hiervon eine Ausnahme. Sie beschränken sich aber auf ein bestimmtes Medium und eine bestimmte Form. Der Mangel an langfristiger, gemeinschaftlicher Bildung führt zu zahlreichen Problemen. Oft fehlt es an theoretischem Wissen, um gemeinsame Strategien für eine erfolgreiche revolutionäre Praxis zu entwickeln oder es fehlt an praktischen Fähigkeiten, um Strategien gemeinschaftlich umzusetzen.

“Wer die Vergangenheit kontrolliert, kontrolliert die Zukunft“- Staatliche Bildung und der Mangel an revolutionärem Bewusstsein und Fähigkeiten

Die Kontrolle der Bildung durch den Staat hat verheerende Auswirkungen. Betrachteten wir die Geschichtsschreibung. In Schulen wird staatliche Geschichte gelehrt, die Erfolge und Ereignisse der antiautoritären Bewegungen nicht. Ein gutes Beispiel hierfür sind die Vorstellungen vom “Sozialstaat”. Renten-, Kranken- und Unfallversicherung wurden nicht eingeführt, weil der Staat an sich “sozial” ist, sondern um der Bedrohung durch radikale Arbeiter*innen entgegenzuwirken: „„Mein Gedanke war, die arbeitenden Klassen zu gewinnen, oder soll ich sagen zu bestechen, den Staat als soziale Einrichtung anzusehen, die ihretwegen besteht und für ihr Wohl sorgen möchte“ – Otto von Bismarck. Tatsächlich gab es vor deren Einführungen schon selbstorganisierte Hilfe unter Arbeiter*innen. Unser mangelndes historisches Bewusstsein führt hier zur Verklärung des Staates. Wir wissen nicht mehr, was einmal passiert ist und damit auch wieder möglich sein kann. Auch die Mittel vergangener Aufstände und Umbrüche kennen wir kaum und können uns nicht damit auseinandersetzen, welche davon in unserer Situation auch nützlich sein könnten. Insbesondere staatliche Schulen verbreiten Wissen, das den Widerstand gegen den Staat unsichtbar macht und uns nicht jene Fähigkeiten lehrt, die wir für ein selbstbestimmtes Leben brauchen. (Mehr zu unserer Analyse staatlicher und kapitalistischer Bildungsinstutionen hier) Vor der Revolution in Spanien gab es dort kein flächendeckendes staatliches Schulsystem und Anarchist*innen organsierten zahlreiche eigene Schulen, die massiv zur Bildung der anarchistischen Bewegung und ihrem Erstarken beitrugen. George Orwell schrieb in seinem Buch 1984 (das sowohl auf den autoritären Kommunismus als auch auf die parlamentarische Demokratie anspielt) passend dazu: “Wer die Vergangenheit kontrolliert, kontrolliert die Zukunft: wer die Gegenwart kontrolliert, kontrolliert die Vergangenheit.”

Lernen, selbstbestimmt zu lernen

Der Staat kontrolliert nicht nur, welches Wissen wir erlernen, sondern auch wie wir lernen. Er erzieht uns den eigenständigen Wunsch nach Bildung ab, indem er uns vorgibt, was wir lernen sollen und dürfen. Autoritäten entscheiden, was wir uns aneignen sollen, weigern wir uns, werden wir bestraft. So entfremden wir uns von unserer eigenen Neugier und verlernen, uns selbst Dinge beizubringen und uns mit Wissen zu bereichern.
Unsere Bildungskurse haben daher nicht nur das Ziel, konkretes Wissen zu verbreiten, sondern sie sollen helfen, dass wir wieder Spaß am Lernen entwickeln und in der Lage sind, uns eigenständig Wissen zu beschaffen. Selbstbestimmt und eigenständig lernen zu können, ist deshalb so wichtig, weil informelle Hierarchien sich oft aus einer Wissensungleichheit zwischen Menschen ergeben. Es wäre unsinnig, zu glauben, jede*r einzelne könnte sich das gesamte Wissen der Welt aneignen, aber jede*r einzelne sollte in der Lage sein, sich das nötige Wissen für das eigene Leben und für Entscheidungen, die ihn*sie betreffen, anzueignen. Wenn Wissensungleicheiten relativ schnell ausgleichbar sind, schaffen sie keine langfristigen Hierarchien mehr.

Kein Bildungsautoritäten – gegen die Trennung Lehrende und Lernende

Es gibt aber keine abschließend feststellbare Wahrheit, sondern nur vorübergehende Erkenntnisse.¹ Diese Erkenntnisse setzten dauerhaften, anhaltenden Austausch und Kritik zwischen Gleichwertigen voraus. Die Aufteilung in Lehrende und Lernende, Dozent*in und Studierende, Lehrer*in und Schüler*innen oder Ausbilder*in und Auszubildende setzt immer voraus, dass die eine Gruppe und ihr Wissen einen höheren und weniger hinterfragbaren Status hat. Diese drückt sich z.B. in ihrer Kontrolle der „Richtigkeit von Wissen“ – wie zum Beispiel Prüfungen aus. (Selbst-)Kritik wird so oft verhindert und lernen findet nur noch passiv statt. Bei unseren Kursen wollen wir daher nicht, dass es ein solche Trennung gibt. Wenn Menschen einen Input vorbereiten mit Ideen, wie der Kurs aussehen könnte, halten wir dies für nützlich, jedoch ist unsere Vorstellung, dass sich die Menschen am Anfang und auch immer wieder während eines Kurses zusammensetzen und ihn gemeinsam planen und gestalten.

Vielfalt der Methoden – Gegen die Trennung von Theorie und Praxis

Eine der Schwächen vieler radikaler Bildungsangebote ist die Trennung von Theorie und Praxis. Sie führt entweder zu einem unreflektierten und ungeplanten Handeln (Praxis ohne Theorie) oder zur Abschottung in Elfenbeintürmen und Realitätsverlust. Insbesondere reine Theoriearbeit ist auch leicht in das demokratische Konzept von Meinungsfreiheit (mensch darf alles sagen, solange es ohne Konsequenzen bleibt und nicht umgesetzt wird) integrierbar und schafft so ein vorgegaukeltes Selbstbestimmungsgefühl.
In einigen Fällen ist diese Trennung auch nicht zu verhindern, aber oft liegt es an fehlender Kreativität und Auseinandersetzung damit, wie diese zu verändern sind. Uns ist es wichtig, diese Trennung bei unseren Kursen, wenn möglich, zu überwinden, weil sie uns vom selbstbestimmten Lernen entfremdet, da wir die praktischen Veränderungen durch Anwendung unseres Wissens nicht erleben. Ein Beispiel wie diese Vereinigung von Theorie und Praxis aussehen könnte, wäre zum Beispiel ein Guerilla Gardening Kurs, der immer wieder die Stadt verschönern geht oder ein Kurs zu Revolutionen und Aufständen, der als Exkursion zu den Aktionen gegen G20 nach Hamburg fährt. Auch wollen wir versuchen, Menschen darin zu unterstützen, andere Methoden zum Lernen zu nutzen als die klassischen Formen wie frontale Vorträge, Texte lesen und zusammenfassen oder Texte schreiben.

Gegen den Elfenbeinturm – Bildung nicht nur in der Uni stattfinden lassen.

Eine andere Art von Elfenbeinturm ist die Universität. Viele Menschen werden durch die gesellschaftliche Mystifizierung als Ort des „wirklichen Wissens“ abgeschreckt an Veranstaltungen dort teilzunehmen. Außerdem möchten wir Bildung nicht an einen abgesonderten zentralen Ort festhalten, sondern viele dezentrale Orte des sich Bildens und Lernens schaffen, die gleichwertig nebeneinander stehen, auch um zu verhindern, dass Akademiker*innen auf Grund ihres vermeintlich höherwertigen Wissens weiterhin als Autoritäten gelten. Wir wollen die Kurse deshalb sowohl an der Uni stattfinden lassen als auch außerhalb (Infrastruktur dafür steht zur Verfügung). Die einzige räumliche Beschränkung ist, dass sie im Ruhrgebiet staattfinden sollten, damit wir sie sinnvoll bewerben können. Es gibt auch die Idee, neben wöchentlichen Kursen, Kurse über ein Wochenende zu organisieren, insbesondere, um Menschen die lohnarbeiten die Teilnahme zu ermöglichen. Auch Kinderbetreuung ist für solche Kurse denkbar.

Die Befreiung des Wissen ist eure Entscheidung – wir brauchen euch

Wie groß dieses Projekt wird, hängt maßgeblich davon ab, wie viele Menschen Kurse organisieren möchten. Wir werden selber bei der Organiserung von 1-2 Kursen mithelfen, ob es darüber hinaus ein Angebot geben wird, hängt von euch ab. Wenn ihr ein Thema habt, zu dem ihr euch zusammen mit anderen Menschen auseinandersetzen möchtet, schreibt uns bitte bis zum 10.04.2017 an folgende E-Mailadresse: schwarze-ruhr-uni(at)riseup.net
Wichtig ist dabei, dass es um längfristiges Lernen gehen soll und die Verknüpfung von theoretischem Wissen mit praktischen Überlegngen zur bzw. der konkreten Umsetzung. Dabei spielt es kein Rolle, wie viel ihr schon über dieses Thema wisst, sondern dass ihr mehr darüber lernen möchtet. Auch thematische Beschränkungen gibt es nicht. Die Organisation von Gemeinschaftsgärten, anarchistischer Stadteilarbeit, Direkter Aktionen gegen Klausuren, Geschichte der Hausbesetzer*innenbewegungen, Unterdrückung von A-Sexuellen oder Emma Goldmanns Werke sind als Themen genauso möglich wie die Herstellung von veganem Eis, Blockadetrainings, selbstorgansierter Gesundheitsversorung und vielem mehr…
Allerdings werden wir keine Bildung unterstützen, die sich positiv auf Herrschaft bezieht und z.B. Staaten, Patriarchat oder Kapitalismus als notwendig darstellt. Und Kurse mit stark illegalisierten Wissen z.B. im Bereich Militanz oder Umgehung staatlicher Kontrolldokumente werden wir aus Sicherheitsgründen nicht anbieten können.
Lasst uns gemeinsam mit der Rebellion gegen die staatliche und kapitalistische Kontrolle des Wissens beginnen und eine Welt der selbstorgansierten Neugierde schaffen!

Fußnote

¹ Dennoch gib es für den Alltag erst mal nützliche und relativ feste Erkenntnisse z.B., dass Pockimpfungen sinnvoll sind und dass es keine Echsenmenschen gibt.

Dortmund: Unileitung versucht anarchistische Veranstaltung auf dem Campus zu verhindern!

Ihr fragt Euch bestimmt warum hier schon wieder etwas über die TU Dortmund steht. Lest selbst:

Am Donnerstag den 16.02.2017 wird es in den Räumlichkeiten des EF50 an der TU Dortmund einen Anarchismus-Einführungsvortrag geben. Diese erste öffentliche Veranstaltung der anarchistischen Hochschulgruppe sollte in den Räumen des Asta stattfinden. Nach neusten Entwicklungen wurde bekannt, dass die Hochschulleitung Druck auf den Asta ausgeübt hat. Sie möchte nicht das eine ungewünschte politische Veranstaltung stattfindet. Auf Grund des Drucks entschied sich der Asta dazu, dass die Veranstaltung nicht in den eigentlich geplanten Räumlichkeiten stattfinden kann.

Das ist ein direkter Angriff auf die Selbstorganisation von Studierenden an der Universität und auf die Anarchistische Bewegung!

Ständig wird gesagt, dass Demkoratie Mitbestimmung bedeutet und Kritik zulässt. Aber regelmäßig wenn wir unsere Stimme erheben und diese dem herrschendem Diskurs nicht entspricht, werden wir Repressionen ausgesetzt. Wir verstummen nicht:

Deswegen wird es vor dem EF50 ab 18 Uhr eine Kundgebung für freie Selbstorganisation geben und es wird versucht, die Veranstaltung so planmäßig wie möglich umzusetzen.

Auch dieses Mal ist es nicht auszuschließen, dass wieder Nazis auf dem Campus erscheinen könnten, darum kommt zahlreich zur der Kundgebung, auch wenn ihr nicht unbedingt am Vortrag teilnehmen möchtet.

Solidarisiert euch mit der Anarchistischen Hochschulgruppe – Campus Nazifrei! Lasst nicht zu, dass der Druck der Hochschulleitung Erfolg hat!

Für ein leben, lieben und lernen in Freiheit!

Einige an der TU-Do studierende Anarchist*Innen

Quelle

Dortmund: Anarchismus, eine Einführung – Vortrag an der TU Dortmund

Ihr habt wahrscheinlich die Auseinandersetzungen zwischen Nazis und freiheitlich gesinnten Menschen an der Technische Universität Dortmund mitbekommen. Das Ganze begann damit, dass sich eine anarchistische Hochschulgruppe dort gegründet hat. Nun hat Gruppe ihre erste öffentliche Veranstaltung und wir rufen möglichst viele Menschen dazu auf dort hinzugehen, um unsere Genoss*innen zu unterstützen. Auch aufgrund der Bedrohungslage durch die Nazis. Die TU Dortmund darf nicht den Faschist*innen überlassen werden. Falls ihr hinfahrt, achtet bei der Anreise und vor Ort bitte auf eure Sicherheit. Hier der Ankündigunstext der Veranstaltung:

Anarchismus, eine Einführung – Vortrag an der TU Dortmund

Am 16.02 findet an der TU Dortmund im EF50 Raum 1.316 eine Einführungsveranstaltung in den Anarchismus statt. Im Anschluss können wir uns über das Thema austauschen und gemeinsam Ideen für selbstbestimmtes Lernen sammeln.

Wenn du etwas Beliebiges verändern könntest, was wäre es? Würdest du für den Rest deines Lebens Urlaub machen? Dafür sorgen, dass fossile Brennstoffe aufhören, Klimawandel zu verursachen? Dir ethisch vertretbare Banken und Politiker*innen wünschen? Jedenfalls wäre sicherlich nichts unrealistischer, als alles so zu belassen wie es ist, und andere Resultate zu erwarten.

In unseren privaten finanziellen und emotionalen Kämpfen spiegeln sich globale Unruhen und Katastrophen wider. Wir könnten all unsere Zeit darauf verwenden, ein Feuer nach dem anderen zu löschen, aber sie haben alle die selbe Ursache. Stückweise zu reformieren wird nichts in Ordnung bringen: Wir müssen alles, entsprechend einer anderen Logik, überdenken.

Um wirklich etwas zu verändern, komm zu unserer Einführungsveranstaltung und lass uns gemeinsam über neue Wege diskutieren.

Die Veranstaltenden behalten sich vor, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen, die extrem rechten Parteien oder Organisationen angehören, der rechten Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zutritt zur Veranstaltung zu verwehren oder von dieser auszuschließen.

Quelle

Dortmund – Kommentar zu den Vorkommnisen um die verhinderte AfD-Podiumsdiskussion

Angesichts der Ereignisse an der TU Dortmund einen Bericht einiger Genoss*innen aus Dortmund.

Am 2. Februar lud das Autonome Schwulenreferat (ASR) der TU Dortmund zur einer Podiumsdiskussion zu den Landtagswahlen 2017 ein. Gäste waren neben der Jungen Union, SPD, Bündnis90/Die Grünen, Die Linke, FDP auch ein Vertreter der Jungen Alternative. Die Teilnahme der Jungen Alternative nahmen antifaschistische Gruppen zum Anlass, zur Störung der Podiumsdiskussion aufzurufen. Im Vorfeld nannte das ASR als Begründung, warum sie die Junge Alternative auch einlud, dass es angeblich eine Verfügung des ASTAs gäbe, alle Parteien, die über 5% kommen könnten, einladen zu müssen. Eine Stellungsnahme des ASTAs offenbarte, dass es sich dabei um eine miese Ausrede handelte um auch der rechtsnationalen AFD eine Bühne zu bieten.

Am Tag der Podiumsdiskussion kamen auch bis zu 20 Nazis der Partei Die Rechte um der Veranstaltung beizuwohnen und erneut ein Bedrohungsszenario gegenüber anwesenden Antifaschist*innen aufzubauen. Als eine größere Gruppe Antifaschist*innen in das Foyer in der Nähe das Veranstaltungsraums gehen wollte, versperrten 5 Nazis den schmalen Zugang. Als die Gruppe an ihnen vorbei in das Foyer gehen wollte, wurden zwei anarchistische Genoss*innen angegriffen. Als ein Genosse ein Faustschlag ins Gesicht bekam, setzten sie sich gegen den Angriff zur Wehr. Nach wenigen Sekunden der Auseinandersetzung griffen die anwesenden Polizist*Innen und Securities in das Geschehen ein und drangen die beiden Anarchist*innen vor das Gebäude. Nach einer längeren Verzögerung, in der sich die Situation beruhigte, versuchten die Veranstalter*innen die Podiumsdiskussion zu beginnen. Der ASR sicherte den Nazis in einem Einzelgespräch Sitzplätze oben rechts im Hörsaal zu. Diese wurden durch Antifaschist*innen besetzt und durch die Lautstärke und die unübersichtliche Situation sah sich der ASR gezwungen die Veranstaltung zu beenden. Ein Grund war insbesondere, dass der ASR darauf bestand, dass die Nazis ihre zugesprochenen Sitzplätze erhalten.

Jetzt mal ganz im Ernst liebes Autonome Schwulenreferat: Was ist kaputt bei euch? Euer Verhalten ist ein Schlag ins Gesicht für alle Homosexuellen und deren Angehörige, die von Nazis verfolgt und ermordet wurden.

Unsere Vermutung warum, das ASR so gehandelt hat, ist eine tiefgreifende Demokratieideologie, die der gesamten Veranstaltung innewohnte. Für uns als Anarchist*innen, war die Teilnahme der AfD bei weitem nicht der einzige Grund für eine Kritik an der Podiumsdiskussion. Für uns geht es um eine grundsätzliche Demokratie- und Parlamentarismuskritik, ohne die wir den Rechtsruck nicht aufhalten können. Gerade weil sich Politik der etablierten Parteien kaum noch voneinander unterscheiden lässt und diese lediglich die allgemeine Perspektivlosigkeit verwalten, kann sich die AfD als angebliche Alternative aufspielen. Rassismus,Chauvinismus und andere Diskriminierungsformen, welche etablierte Parteien aktiv vorantreiben oder mittragen, sind elementarer Teil von kapitalistische Verwertungs- und Konkurrenzlogik.

Also einfach gesagt: In einer kapitalistischen Gesellschaft wird es immer eine Basis für eine Partei wie die AfD geben.

Wir können nicht verstehen wie die anwesenden linksradikalen Kräften sich an diesem Abend nur auf die AfD konzentrieren konnten. Mindestens FDP, CDU, SPD und Die Grünen tragen eine unmittelbare Verantwortung für den Scheißzustand in dem wir leben und die Linke tut ihr übriges um die Illusion des Parlamentarismus zu erhalten.

Auch wollen wir nochmal auf das Verhalten der anwesenden Antifaschist*innen eingehen. Uns ist sehr wohl bewusst, dass es strategisch nicht klug ist im Rahmen einer solchen Veranstaltung eine körperliche Auseinandersetzung zu suchen. Aber verdammt nochmal, wenn Genoss*innen angegriffen werden ist der Rahmen egal. Ein Genosse zog sich aus dem Kampf leichte Verletzungen hinzu, die ambulant behandeln werden mussten.

In dieser Situation wurde ein Naziangriff, vor den Augen aller, von den Anwesenden unbeantwortet gelassen und die sich wehrenden Genoss*innen sich selbst überlassen. Uns geht es hier bewusst nicht um eine Straßenkämpfer-Attitüde oder plumpes „Nazis aufs Maul“, aber in dieser Situation wäre so viel mehr drin gewesen. Für uns geht es in erster Linie darum, die Passivität vieler in solchen Situationen gegenüber den Dortmunder Nazis zu durchbrechen, weil sie einen Mythos um sich aufbauen, der sie unangreifbar erscheinen lassen soll, obwohl sie das nicht sind.

An die Dortmund Nazis, die ihr das gerade lest: Wir wissen, das ihr euch beim Lesen der letzten Absätze gut fühlt, weil ihr ein Großteil eurer Befriedigung aus dem Einschüchtern von Leuten, die nicht in eurer Weltbild passen zieht. Für uns ist jedoch elementarer Bestandteil unserer Anschauung und unseres Handelns offen mit punktuellen Problemen von uns und unseren Genoss*innen umzugehen. Anders als wir, verliert ihr, die sonst immer alles auf eurer Dreckseite kommentiert, kein Wort darüber, wenn ihr mal aufs Maul bekommt, denn das könnte ja eurem selbst gebastelten Mythos schaden.

Lasst uns Perspektiven von unten aufbauen, anstatt auf den parlamentarischen Irrsinn zu vertrauen.

Wenn das ASR anregt sich Gedanken zu den kommen Landtagswahlen zu machen, ist für uns klar, wir geben unsere Stimme nicht ab, sondern erheben sie:

Bald wird eine Kampagne der Föderation deutschsprachiger Anarchist*innen (FdA-IFA) anlaufen, in deren Fokus die Wahlen, der Rechtsruck und vor allem der Aufbau solidarischer Strukturen von unten, liegt.

Dieser erneute Vorfall an der Uni zeigt, wir brauchen eine starke anarchistische Hochschulgruppe.

Unterstützt sie und organisiert euch (Kontakt: ahog100@web.de)

Achtet auf weitere Ankündigungen.

Den Flyertext den wir für den Abend entworfen haben findet ihr als Bild angehängt.

Einige Anarchist*innen aus Dortmund

Quelle

28.01: Dating- und Kennenlerntresen mit Vortrag zur Feindlichkeit gegenüber nicht-monosexuellen Menschen

Wir wollen Euch hier auf einen interessanten Vortrag hinweisen:

Der nächste anarchistisch-queere Dating- und Kennenlerntresen am 28.01 im Sozialen Zentrum (Josephstr. 2 Bochum) um 18.00 Uhr findet diesmal mit einem Vortrag über die Feindlichkeit gegenüber nicht-monosexuellen Menschen statt. Bitte beachtet, dass der Tresen wie immer drogenfrei ist Wir haben auch noch mal unser Bändchensystem überarbeitet. Hier der Ankündigunstext des Vortrages:

„Entscheide dich endlich!“ oder „Bisexuelle gibt es doch gar nicht“ – Die Erfahrung von Feindlichkeit und Unsichtbarkeit ist eine welche viele nicht-monosexuelle Menschen teilen. Nicht-monosexuell sind alle Menschen, die nicht „nur“ ein „Geschlecht“ anziehend finden. Diskriminierung ihnen gegenüber findet nicht allein von Heterosexuellen statt, auch Lesben und Schwule grenzen sie oft aus. Das hat zu Folge das Bi-, Pan- und Queermenschen in vielen Ländern sich häufiger das Leben nehmen, mehr psychische Probleme haben, häufiger sexualisierter Gewalt ausgesetzt und auch ärmer sind als Lesben und Schwule.

Der Vortrag setzt sich teilweise aus persönlicher Perspektive mit den gesellschaftlichen Zusammenhängen dahinter auseinander. Dabei werden unter anderem folgende Fragen gestellt. Welche Formen hat die Feindlichkeit- und Unsichtbarmachung von nicht-monosexuellen Menschen? Wie unterscheiden sich die Diskriminierungserfahrungen von nicht-monosexuellen „Frauen“ und „Männern“? Warum ist eigentlich Sex zwischen zwei “Frauen” und einem “Mann” gesellschaftlich viel akzeptierter und präsenter als Sex zwischen einer „Frau“ und zwei „Männern“? Wie hängt Unterdrückung von nicht-monosexuellen Menschen
mit anderen Formen von Herrschaft und Unterdrückung z.B Sexismus, Patriarchat zusammen? Was können wir gegen ihre Diskriminierung tun?

Nach dem Vortrag gegen wird es eine offen Diskussion geben, um sich weiter über das Thema auszutauschen. Der Vortrag wird von Twark Main gehalten.

Quelle