Archiv für Januar 2016

Faschistische Aktivitäten, Gegenaktionen und Repression an der Ruhr-Uni

Verbotenes schwarze-Ruhr-Uni Plakat3
Verbotenes schwarze Ruhr-Uni Plakat 3

Aufkleber und Graffitis – Faschistische Aktivitäten an der RUB

In den letzten Tagen war viel los an der Ruhr-Uni!
Am Donnerstag haben offensichtlich Rassist*innen auf dem Unigelände zahlreiche rassistische Aufkleber verteilt. Bisher gab es an der Ruhr-Uni „nur“ vereinzelt rassistische / faschistische Schmierereien und Aufkleber. Durch das massenhafte Kleben wurde nun eine neue Qualität erreicht. Gerücht über Rassierklingen unter Aufklebern konnten zwar nicht bestätigt werden, jedoch wurden am Montag zwei faschistische Graffitis an die Wände von HGB und HGC gemalt (siehe Fotos). Die Botschaft wurde inzwischen von der Unileitung übermalt.

Unsere Aktionen – Refugees are Welcome, Fascist not!

Daher traf es sich gut, dass sich Dienstag (26.01) nach unserer Veranstaltung „ Von Hoyerwerda bis Heidenau – Comeback der 90er?“ spontan einige Menschen fanden, die mit uns den Campus mit antifaschistischen Inhalten füllten. Die Veranstaltung war mit ca. 35 Personen sehr gut besucht, obwohl wir uns entschieden hatten nach dem Verbot unserer Veranstaltungen durch die Uni-Leitung im letzten Jahr und unserer Ablehnung von Eigentum, uns einfach illegal einen Raum zu nehmen. Der Vortrag und die anschließende Diskussion waren sehr spannend.
Wir hatten bereits vorher eine solidarisch-kritische Ergänzung zu einer recht inhaltsleeren Kampagne des AStA vorbereitet (siehe Fotos). Unsere Plakate ergänzten wir noch durch „Refugees Welcome“-Sticker und antifaschistische Plakate.
Dienstagnacht und Mittwochmittag brachten wir hunderte von diesen an der Ruhr-Uni an, um klares Zeichen gegen rechte Hetzte zu setzen.

Repression der Uni gegen uns – Plakatverbot für „Linke“

nteressant ist, dass jeden Tag unzählige kommerzielle Plakate überall auf dem Campus aufgehangen werden, der Sicherheitsdienst am Dienstag und Mittwoch unsere Plakat Aktion jedoch unterbinden wollte.
Uns gegenüber teilten die Sicherheitsleute mit, „Linke“ dürften nicht mehr plakatieren, um zu verhindern „dass sich das gegenseitig hochschaukelt“ und dass die eine „Szene“ nicht plakatieren dürfe und die andere auch nicht.
Somit lässt sich dieses Vorgehen als politisch motiviert verstehen. Es wurde außerdem gedroht, die Polizei zu rufen.
Hier wird deutlich, dass die Univerwaltung der Extremismustheorie gemäß Nazis und den Widerstand gegen Nazis gleichsetzt.
Auch die Verfolgung von Menschen z. B. Anarchist*innen durch Faschist*innen wird so verharmlost. Verfolgte werden auf eine Ebene mit Verfolger*innen gestellt. Als Anarchist*innen stellen wir uns gegen jede Menschenfeindlichkeitt und Herrschaft – wir kämpfen für die Freiheit aller Menschen

Auch wenn die Ruhr-Uni im vergangen Semester einiges für Geflüchtete getan hat, weigert sie sich effizient gegen rechte Strukturen vorzugehen und hat zum Beispiel Faschismus nahestehenden Burschenhaften Plätze auf dem Uni-Jubiläum gewährt, ihr verhalten verwundert uns daher nicht.
Wir rufen alle freiheitlich und antifaschistischen gesinnten Menschen auf sich nicht von der Univerwaltung und dem Sicherheitsdienst einschüchtern zu lassen.
Plakatiert weiter, nehmt Euch die Uni-Räume zurück und bekämpft Faschismus, Nationalismus und Rassismus an der Ruhr-Uni! Wir werden das auf jeden Fall weiter tun…

Aufkleber an der Ruhr-Uni1
Aufkleber an der Ruhr-Uni 1

Aufkleber an der Ruhr-Uni2
Aufkleber an der Ruhr-Uni 2

Plakate an der Ruhr-Uni
Plakate an der Ruhr-Uni

Verbotenes Antifaschistisches Plakat
Verbotenes Antifaschistisches Plakat

Verbotenes Refugees Welcome Plakat
Verbotenes Refugees Welcome Plakat

Verbotenes schwarze-Ruhr-Uni Plakat1
Verbotenes schwarze Ruhr-Uni Plakat 1

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Verbotenes schwarze Ruhr-Uni Plakat 2

Verbotenes schwarze-Ruhr-Uni Plakat3
Verbotenes schwarze-Ruhr-Uni Plakat 3

Nazischmiererei1
Nazischmiererei 1

Nazischmiererei2

Nazischmiererei 2

Dienstag (19.01): Küche für Alle

Küche für alle:
Gegen Hunger und Kapitalismus! Für die Anarchie*!

Viele Menschen können sich das Essen an der Uni (insbesondere nach der Preiserhöhung des Akafö) nicht mehr regelmäßig leisten. Und auch in der restlichen Gesellschaft ist gutes (veganes**) Essen nicht für alle erschwinglich. Dagegen wollen wir mit unserer monatlichen veganen Küfa*** in Gebäude GB ein Zeichen setzen.
„Küfa“; das heißt Küche für alle. Deshalb nehmen wir auch kein festes Geld für das Essen, das wir verteilen, sondern versuchen es durch freiwillige Spenden zu finanzieren. Selbstverständlich reicht uns das noch nicht.
Wir möchten uns nicht für günstigere Essenspreise einsetzen. Unser Ziel ist eine Gesellschaft in der es genug (veganes) Essen für alle gibt und zwar umsonst!
Wenn ihr das auch wollt, einfach nur die Preiserhöhung des Akafö satt habt, es euch nervt das es kaum veganes Essen an der Uni gibt oder ihr einfach nur Hunger habt: Kommt zu unserer veganen Küfa vor der Cafete von GB.
Nächster Termin: Dienstag der 19. Januar (oder eventuell früher wenn alles verteilt ist.)
Es gibt: Chili mit und ohne Tofu.

* Der Begriff Anarchie kommt aus dem Altgriechischen und beschreibt einen gesellschaftlichen Zustand ohne Herrschaft.
** Essen ohne Bestandteile tierischen Ursprungs wie Fleisch, Milch, Honig etc.
*** Wir verteilen ausschließlich veganes Essen, weil wir uns sowohl gegen die Unterdrückung und Ausbeutung des Menschen, als auch die anderer Tiere einsetzen. Außerdem sind die ökologischen Auswirkungen von tierischen Produkten (z.B. deren CO2 Bilanz oder Flächenverbrauch) im Vergleich zu nicht-tierischen enorm.

Veranstaltung: Von Hoyerswerda bis Heidenau – Comeback der 90er?

Wir leben in beängstigenden Zeiten. Faschistische Parteien und Bewegungen ziehen Tausende an. Unterkünfte von Geflüchteten werden angezündet, Nazis randalieren in Innenstädten und alternativen Stadtteilen. Es scheint nur eine Frage der Zeit, bis es wieder Tote gibt. Die Liste der Ermordeten ist lang, seit 1990 hat es in Deutschland hunderte Tote durch rassistische und menschenfeindliche Gewalt gegeben. Terror der von staatlichen Stellen geduldet und teilweise unterstützt wird.
Wenn der Verfassungsschutz Ermittlungen gegen rechte Terrorzellen sabotiert, Nazis trotz Haftbefehle frei herumlaufen können, Polizist*innen ihren Demos den Weg frei knüppeln zeigt sich eines: Der Staat ist beim Widerstand gegen Nazis bestenfalls ein lästige Behinderung, oft jedoch ein gefährlicher Gegner.

Diese Erfahrung ist nicht neu… Für eine Veranstaltung zu rassistischen Pogromen in den 1990er Jahren konnten wir daher einen Referenten gewinnen, der damals in antifaschistisch aktiv war und sich daran beteiligt hat, dem Mob wirksam etwas entgegen zu setzen. Ziel der Veranstaltung ist es, den historischen Rückblick auf die 1990er Jahre zu nutzen, um zu einer klareren Analyse der heutigen Situation zu kommen. Nach dem Vortrag möchten wir gemeinsam diskutieren wie wir Nazis ohne den Staat und trotz seiner Repression bekämpfen können. Der Vortrag soll auch einen Anlaufpunkt bieten für alle, die Interesse haben gegen Faschismus, Nationalismus und Rassismus an der Ruhr-Uni und in Bochum aktiv zu werden. Die Veranstaltung findet am Dienstag den 26.01 um 18.00 an der Ruhr-Uni statt. Treffpunkt ist der Eingang von Gebäude GB.

Hier Ankündigungstext des Referenten:

Wo wart ihr in Rostock, wo seid ihr jetzt?
Vortrag über die rassistischen Pogrome der 90er Jahre und Parallelen zu heute.
Ein Antifa Aktivist zieht Bilanz.

„Wo wart ihr in Rostock?“
schrien Antifas nach dem Pogrom in Rostock 1992 der Polizei entgegen. Selbst der Polizei hatte ich nicht zugetraut, dass sie tatenlos zusieht, wie ein bürgerlicher und faschistischer Mob ein Haus mit vietnamesischen VertragsarbeiterInnen anzündet. Die Erlebnisse rund um Rostock haben mich geprägt, ich wollte nicht Zuschauer bei der rassistischen Hatz auf Flüchtlinge sein.

Ich bin kein Historiker oder Gelehrter, der hinter dicken Büchern die Gesellschaft analysiert. Deswegen sind meine Erinnerungen subjektiv und emotional. Schließlich konnte und kann ich diese Zeit nicht vergessen. Schmerzlich habe ich gemerkt, wie diese Zeit mich geprägt hat. Seit 1990 sind ca. 190 Menschen aufgrund rassistischer oder antisemitischer Gewalt getötet worden. Neben diesen offensichtlichen Barbareien von (Neo-)Nazis war aber auch die unerträgliche politische Situation ein Grund, sich zu wehren. Der aufkeimende Nationalismus der 90er Jahre und das „wir sind wieder wer“-Gehabe mit Reichskriegsflaggen auf öffentlichen Plätzen und in Stadien zeigten die Stimmung der Bevölkerung. Die bürgerlichen Medien übernahmen Symboliken und Inhalte von Rechtsaußen-Parteien.

Der Faschismus war in der Mitte der Gesellschaft angekommen und das hielt ich nicht aus. Ich musste etwas tun. Niemand war vorbereitet auf diese Situation, aber es fanden sich auch Andere, die mitmachten und dem Unerträglichen eine Ende setzen wollten. Es waren sehr unterschiedliche Menschen, die ich kennengelernt habe, die Flüchtlingen geholfen haben, Nachtwachen in Flüchtlingsheimen übernommen haben oder einfach mal Zivilcourage gezeigt haben, weil sie es nicht mehr aushielten – Christen, Ausländerkids, aber auch der ein oder andere Spießbürger, der sich diesen nazistischen Wahnsinn nicht gefallen lassen wollte. Aber insbesondere auch die Geflüchteten wehrten sich gegen die Angriffe. Dies waren die beeindruckensten Momente in der antifaschistischen Selbsthilfe. Aus ihren Ländern vor politischer Verfolgung geflohen, wehrten sie sich massiv gegen den braunen Mob. Diese Gesellschaft hat viel verdrängt und eine Aufarbeitung hat es nie gegeben. Die Brandstifter von damals sind zum Teil immer noch in rechten Organisationen aktiv. Die geistigen Brandstifter aus Politik und Wirtschaft sitzen in hohen Ämtern, werden geehrt und gefeiert, als hätte es das alles niemals gegeben.

„Die geschichtlichen Tragödien wiederholen sich nicht oder höchstens als Farce.” (Karl Marx)

“Wo sind wir jetzt?”
Heute findet der NSU Prozess in der allgemeinen Medienlandschaft nur noch wenig Interesse. Es gleicht einer Posse, dass rechter Terror weiterhin verharmlost, vertuscht und von gesellschaftlichen Institutionen unterstützt und gefördert wird.

Nachdem tausende Menschen durch ein menschenverachtendes Handeln der EU im Mittelmeer ertrunken sind, erscheint eine von der Bundesregierung ausgerufene Willkommenskultur wie ein Heiligenschein aus Pappmaché. Es geht um Verwertung, nicht um Menschlichkeit.

Pogrome und brennende Flüchtlingsheime gibt es, die Polizei ist erst dann da, wenn Linke dagegen demonstrieren. Zu vermitteln, dass das keine Zufälle sind, wird unsere Aufgabe sein.

Die Hilfsbereitschaft der BürgerInnen kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass ein weißes totes Kind, das am Strand angespült wird, mehr Aufmerksamkeit und Betroffenheit hervorruft, als eins mit dunkler Hautfarbe. Es sorgt nicht nur die Bild-“Zeitung” dafür, rassistische Ressentiments zu verbreiten, viele tun dies innerhalb der sozialen Netzwerke und blasen ins gleiche Horn.

Wie wir diese Menschen gewinnen können, mit uns den braunen und bürgerlichen Mob von der Straße zu fegen, bleibt mir ein Rätsel, wenn wir weiterhin in den Spiegel schauen wollen, ohne zu kotzen.

Eine Veranstaltung von Stefan Stulpe und der schwarzen Ruhr-Uni mit solidarischer Unterstützung der ANTIFA Bonn/Rhein-Sieg