Archiv für März 2015

Anarchistischer Aufruf zur Schmuddel Demo: Erinnern, Angreifen, Verändern – Für einen sozial-revolutionären Antifaschismus!

Am 28.03.15 findet in Dortmund eine Demonstration, zum Gedenken, an den vor zehn Jahren von dem Dortmunder Neonazi Sven Kahlin ermordeten Thomas Schulz („Schmuddel“) statt. “Der Punk wurde am Ostersonntag 2005 durch den Neonazi Sven Kahlin in der U-Bahn-Haltestelle Kampstraße erstochen, nachdem Thomas ihn aufgrund seiner rechten Bekleidung zur Rede gestellt hatte.” Ein Szenario welches heute so aktuell wie vor 10 Jahren ist und theoretisch jede*n treffen kann der sich gegen Faschist*innen engagiert.

Die diesjährige “Schmuddel” Demo soll deswegen auf die bestehende Problematik rechter Gewalt, sowie auf die bis tief in die Gesellschaft reichende Verbreitung rechter Ideologien, aufmerksam machen.

Unter dem Motto „Erinnern, Angreifen, Verändern- Für einen sozial-revolutionären Antifaschismus“ unterstützen wir dieses Jahr die Demonstration und möchten einen starken eigenen Akzent setzen.

ERINNERN

Wenn wir an Schmuddel denken, dann tun wir das nicht um einen Helden oder Mätryrer zu verehren.
Wir tun dies um nicht zu vergessen. Wenn die Nazis Menschen aus dem Weg räumen wollen, die ihnen unliebsam sind, dann ist es unsere Aufgabe an sie zu erinnern und sie durch ein aktives Gedenken in unser Bewusstsein zu holen. Nazis räumen Menschen die ihren Vorstellungen nicht entsprechen keinen Platz in der Gesellschaft ein und oft nicht mal ein Lebensrecht. Antifaschistisches Gedenken zielt deshalb auch darauf ab, diesem Wahn zu widersprechen und den Nazis nicht den Gefallen zu tun, die getöteten Menschen durch Vergessen verschwinden zu lassen.
Wir gedenken auch um zu zeigen, wie gefährlich faschistische Ideen sind und um zu zeigen, dass sie für uns alle eine reale Bedrohung sind. Durch Klischees von dummen Skinheads, peinliche Kleinstaufmärsche oder Youtube-Videos von flennenden Funktionären ist es leicht die Gefahr die von Nazis und ihren Ideen ausgeht zu vergessen.

ANGREIFEN

Der Kampf gegen Nazis und ihre Strukturen, sowie das Erinnern an die Opfer Rechter Gewalt, ist auch für die anarchistische Bewegung ein wichtiger Bestandteil im Kampf für eine Welt frei von Herrschaft.

Unser Kampf führt uns klar vor Augen warum wir immer wieder aufs Neue, auf die Nazis reagieren und gegen sie agieren: für die Menschen die sich nicht wehren können, um unserer Strukturen Willen, sowie um unserer selbst Willen. Wir wissen, dass der Faschismus, eine kontinuierliche Bedrohung für das Leben aller ist! Die Anschläge des NSU, die Angriffe auf die Hirsch-Q, der Angriff auf die Wahlparty im Rathaus, der Einzug von “die Rechte” in Kommunalparlamente, die andauernden Todesdrohungen gegen Journalist*Innen, die Aktionen gegen die Asylbewerberheime in Eving, sowie die seit Jahren kontinuierlich starken Nazi Strukturen in Dortmund allgemein, führen uns das immer wieder deutlich vor Augen!

Gerade in der letzten Zeit hat sich in Dortmund bei den Nazis viel getan. Nachdem der Staat den Nationalen Widerstand Dortmund (NWDo) verboten hat, haben sich die Neonazis unter dem Schutz der Partei “Die Rechte” neu organisiert. Seit kurzem treten die Nazis aber wieder Aggresiver auf, nachdem sie einige Zeit versuchten sich nach dem Verbot des NWDo einen “harmlosen” Anstrich zu geben oder zumindestens darauf zu achten nicht durch gewaltätige Übergriffe aufzufallen.

Aber auch in der breiten Gesellschaft hat sich einiges getan: Spätestens mit der Pegida-Bewegung treten deutsche Rassistinnen und Rassisten wieder ganz offen und in erschreckend breiter Masse auf. Diese Demonstrant*Innen lediglich als verkappte Nazis darzustellen wird dem ganzen Problem nicht gerecht. Es ist nicht zu bestreiten, dass die Motive durchaus rassistisch sind und gerade die Dortmunder Nazis haben in NRW alles dafür getan, den Schulterschluss mit den bürgerlichen Rassist*Innen zu verhindern und PEGIDA-Demos wie einen normalen Naziaufmarch aussehen zu lassen.
Aber das Wutbürger*Innen-Phänomen ergibt zusammen mit altbekannten rassistischen Vorurteilen gegen Geflüchtete, der Angst vor einer vermeintlichen Islamisierung und einem deutsch-nationalen Taumel, der seit den Fußballweltmeisterschaften in diesem Land überhand nimmt, eine Gemengelage, die uns abseits von der organisierten Neonazi-Szene auch nach dem Niedergang der Pegida-Bewegung noch eine Weile beschäftigen wird.

Diese Einstellungen bereiteten aber trotzdem weiter einen Nährboden, auf den sich die Nazis immer wieder berufen und der die Grundlage für Angriffe auf Geflüchtete ist. Dieser Nährboden hat sogar Einfluss auf die hohe Politik, die sich angesichts der katastrophalen Bedingungen der Geflüchtete nicht entblödet, immer mehr Länder zu vermeintlichen “sicheren Herkunftsländern” zu erklären und die Möglichkeiten Asyl zu bekommen immer mehr einzuschränken.

Deshalb ist es wichtig, sich gegen rechte Einstellungen und Nazis zu Wehr zu setzen, ihrer Propaganda entgegen zu treten und ihnen die Rückzugsräume zu nehmen. Gerade in Dortmund ist der antifaschistische Selbstschutz eine Notwendigkeit, um antiautoritären Widerstand möglich zu machen.
Es gilt, rassistischer, nationalistischer und antisemistischer Hetze jeder Art entgegenzutreten. Die Nazis sind die brutalste und sichtbarste Spitze eines Eisberges von reaktionären Ideen. Dieser Eisberg muss als ganzer versenkt werden. Der Kampf gegen Rassismus gilt deshalb natürlich auch jedem Staat und der Festung Europa.

VERÄNDERN

Aber die Antwort auf die sozialen Probleme und gesellschaftlichen Auswirkungen des Kapitalismus kann nicht im Staat und auch nicht in der Volksgemeinschaft liegen. Die Antwort muss in einer befreiten Gesellschaft liegen.

Ohne eine Perspektive auf eine andere Gesellschaft, die wir im kleinen in unseren Projekten wieder finden, ist der Kampf gegen Nazis nicht viel wert. Wenn wir also an Opfer Rechter Gewalt denken, wenn wir die rassistischen Zustände kritisieren, dann lasst uns versuchen dies in einen Kontext zu setzen, in den Kontext der Sozialen Revolution!

Klar sollte sein: Desto schwächer unsere eigenen Strukturen sind, desto leichter haben es die Nazis zu agieren. Dadurch entsteht eine vermehrte Handlungsunfähigkeit für die Verbreitung sozial-revolutionärer-antifaschistischer Ideen.

Durch kontinuierliche Anstrengungen in den letzen Jahren ist dahingehend jedoch einiges passiert. Mit dem Anarchistischen Netzwerk Dortmund, dem Umsonstladen, Anarchistischen Gruppen, dem Buchladen Black Pigeon, Refugees Welcome, der Avanti Bewegung, der kontinuierlichen Antifa Arbeit und vielen anderen Projekten wurde ein Weg eingeschlagen der in die richtige Richtung führt. Denn all diese Projekte zusammen ergeben eine Basis, von der aus wir nach vorne schauen und vorallem aus einer Position der Stärke heraus den Rechten Strukturen entgegen treten können!

Für einen Sozial-Revolutionären Antifaschismus!

Lasst uns gemeinsam diese Verbindung von Kampf gegen Nazis und dem Kampf gegen jegliche Herrschaftsstruktur stärken und tragen!
Diese Verbindung findet sich auch und vor allem Abseits von Großevents in unseren “persönlichen” Alltagsleben und Lebenseinstellungen wieder. Einer Lebenseinstellung, die auf dem kontinuierlichen Aufbau von Strukturen basiert, welche darauf angelegt sind zu überdauern und nicht nach ein paar Jahren eifriger Arbeit in sich zusammenzufallen. Diese Verbindungen findet sich in der Unterstützung von Sozialen Kämpfen, sei es in denen von Geflüchteten, sich organisierenden Gefangenen oder rebellischen Arbeiter*innen. Diese Verbindung findet sich überall dort, wo wir die gesellschaftlichen Zwänge und Knäste in unseren Köpfen gemeinsam durchbrechen. Agieren wir so, wie wir es für richtig halten und nicht danach, ob es erlaubt ist!

Um diesen Diskurs zu fokussieren und zu erweitern wird es dieses Jahr eine Anarchistische 1. Mai Demonstration in Dortmund geben, unter dem Motto: “An der Befreiung arbeiten! Die Anarchistische Bewegung vorrantreiben!” werden wir uns die Straße nehmen.

Kommt also gemeinsam mit uns zur „Schmuddel“ Demo! Erinnern, Angreifen, Verändern! Für einen sozialrevolutionären Antifaschismus!

Wir sehen uns unter den Schwarzen Fahnen.

Die Demonstration wird planmäßig um 14 Uhr am S-Bahnhof Dortmund-Dorstfeld starten. Beachtet aber bitte, dass sich hieran unter Umständen noch etwas ändern kann.

Anarchistische Föderation Rhein/Ruhr & Schwarze Ruhr Uni

Allgemeiner Aufruf und Mobiseite: http://dortmund.blogsport.de/
Mobivideo 1:klick
Mobivideo 2: klick

Vortrag der schwarzen Ruhr-Uni im Sozialen Zentrum : Jenseits von Staat und Kapital – Anarchismus: Eine Einführung -

In der globalen Wirtschaftskrise wird uns gesagt es gibt keine Alternative zum Kapitalismus. Auch Demokratie habe natürlich ihre Mängel, aber sie gilt immer noch als beste Gesellschaftsform.
Angesichts der weltweiten Umweltprobleme, Armut und dem nicht aufrechterhaltbaren Zwang zum Wachstum, ist für viele die Ablehnung des Kapitalismus nachvollziehbar.
Dass Anarchist*innen auch Staat und Demokratie ablehnen ist für viele jedoch unverständlich. Denn Staat und Demokratie werden oft als Hüter von Freiheit und gesellschaftlicher Ordnung angesehen. Die Idee eines Zusammenlebens ohne staatliche Institutionen scheint unmöglich. Daher wird Anarchie oftmals mit Chaos und Zerstörung gleichgesetzt. Dabei streben Anarchist*innen kein Chaos, sondern eine Gesellschaft ohne Herrschaft und Ausbeutung an.

Der Vortrag soll eine Einführung in die Theorie und Praxis des Anarchismus geben. Außerdem sollen die Fragen inwieweit Staat und Kapitalismus zusammenhängen und warum Anarchist*innen auch demokratische Staaten ablehnen beantwortet werden.
Nach dem Vortrag besteht die Möglichkeit zur weitergehenden Diskussion.

Es wird veganes Essen angeboten.

Sonntag den 29.03 um 16.00 Uhr Im Sozialen Zentrum in der Josephstr. 2